WordPress Hersteller schließt Büro in San Francisco

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Automattic, jene Firma, die sich hinter WordPress.com befindet, musste das Büro in San Francisco schließen – am Ende waren einfach zu wenig Mitarbeiter anwesend. Aber nicht deshalb, weil man keine Leute gefunden hat, sondern aufgrund der Tatsache, dass von Seiten des Betriebs die Heimarbeit angeboten wurde. Während in Deutschland die Heimarbeit nur recht selten vom Arbeitgeber angeboten wird, gehen in den USA rund 25 Prozent der Angestellten ihrem Job in den eigenen vier Wänden nach.

Büro wurde nicht mehr genutzt

Das hat sich Matt Mullenweg, Gründer und auch CEO von Automattic, der Firma hinter WordPress.com, wohl anders vorgestellt: Das Unternehmen stellte den Mitarbeitern frei, wo sie ihrer Arbeit nachgehen wollen – das San Francisco-Büro, das 2013 renoviert wurde und vom Lagerhaus zum 550 Mitarbeiter großen Büro umfunktioniert wurde, war anscheinend dann doch nicht ansprechend genug. So teilte Firmensprecher Mark Armstrong mit, dass mitunter nur fünf der 550 Mitarbeiter im knapp 1400 Quadratmeter großen Büro ihrer Arbeit nachgegangen sind. Die restlichen Mitarbeiter übten ihren Job daheim, im Restaurant oder im Kaffeehaus aus. „Der Großteil war lieber bei Starbucks“, so Armstrong. Viele Tech-Firmen, die den Mitarbeiter die Möglichkeit des Home Office angeboten haben, erkannten recht schnell, dass die Büroräume leer blieben und reagierten derart, dass die Mitarbeiter wieder im Büro erscheinen mussten. So etwa auch IBM, der Pionier in Sachen Home Office. „Die gemeinsame Arbeit im Büro heizt vor allem auch die Kreativität an“, so die Meinung des Unternehmens. Auch Marissa Mayer, die ehemalige Yahoo-Chefin, sprach sich bereits Ende 2013 gegen die Heimarbeit aus.

Deutsche Arbeitgeber wollen ihre Mitarbeiter im Büro haben

Der Traum eines jeden Angestellten? Seiner Arbeit von daheim aus nachgehen zu können. Ob Texter, Trader, Fotograf, Designer oder Programmierer – klassische Tätigkeiten, die man überall ausüben kann. Könnte man nun die Meinung vertreten, das Büro hätte endgültig ausgedient. Nein. Firmenchefs fällt es nämlich, vor allem in Deutschland, nicht leicht, wenn sie ihre Mitarbeiter nicht mehr kontrollieren können. Auch wenn – zumindest theoretisch – drei von vier Mitarbeiter innerhalb der Digitalbranche den Job auch daheim ausüben könnten (so das Ergebnis einer Umfrage des BVDW – Bundesverband Digitale Wirtschaft), so wird diese Möglichkeit nur selten von Seiten des Unternehmens angeboten. Genauer gesagt: In 25 Prozent aller Arbeitsverträge findet sich eine derartige Regelung – 75 Prozent geben den Angestellten hingegen keine Möglichkeit zur Heimarbeit.

So auch Gen Sadakane, der Co-Founder von EyeEm, einer Foto-Community, die diese Möglichkeit nicht anbieten. Doch was sind die Gründe? Schlussendlich ist Sadakane nicht alleine mit dieser Meinung – viele Unternehmensgründer, die durchaus Mitarbeiter für Tätigkeiten suchen, die auch von daheim aus ausgeführt werden könnten, sprechen sich gegen das Home Office aus. „Chatprogramme und E-Mails sind richtige Zeitfresser. Man kann nur effizient seiner Arbeit nachgehen, wenn man im Büro ist“, so der Co-Founder. Zudem würde auch die Einarbeitung neuer Mitarbeiter nicht funktionieren – wer eingeschult wird, der braucht den Kollegen neben sich. Zudem würde die Zusammenarbeit in einem Büro mehrere Vorteile mit sich bringen: Es gibt ein direktes Feedback von Kollegen und Vorgesetzten und auch ein spontanes Brainstorming. „Natürlich weiß ich, dass ich mich bei vielen Mitarbeitern nicht gerade beliebt gemachte habe“, so Sadakane, „das muss ich aber akzeptieren.“